I never promised you a rosegarden

Bianca Koschel Allgemein Leave a Comment

Als wir damals auf der Suche nach einem Eigenheim waren, habe ich für jedes besichtigte Objekt Pro- und Kontralisten angelegt (über meine Vorliebe für Listen habe ich hier berichtet). Auf der Liste des Hauses, für welches wir uns schließlich entschieden haben und in dem wir nun seit fast zehn Jahren leben, stand ganz oben auf der Kontraliste „Garten“.

Ich träumte damals von einem großen, verwunschenen Märchengarten, in dem Kinder verstecken spielen und in dem an lauen Abenden große Sommerfeste unter dem Baldachin stattfinden konnten. Was wir letztlich bekamen, war eine Fläche, zu der böse Zungen, solche die Reihenhäuser als „Scheibchenvillen“ bezeichnen, „Handtuchgarten“ sagen. Das ist ein bisschen übertrieben, selbst wenn ich alle Saunatücher, die ich besitze, aneinanderlegte, würde ich den Garten nicht damit bedecken können.

Willkommen in Guantanamo

Dennoch handelt es sich bei unserem Garten um ein charmeloses, von einer weißen Betonmauer (ich nannte es bei der ersten Hausbesichtigung: der Guantanamoeffekt) umfriedetes Stück Wiese. Ich, die von Gartenanlage, Pflanzenbedürfnissen und Bodenbeschaffenheiten nicht die leiseste Ahnung hatte, habe in den ersten Jahren jeden Fehler gemacht, den man sich vorstellen kann. Ich stiefelte irgendwann im Jahr (meistens im Sommer, wenn man erstmalig im Garten grillen konnte) ins Gartencenter und kaufte wahllos Pflanzen, die hübsch blühten und was fürs Auge boten. Diese setzte ich dann völlig unabhängig von Licht- und Bodenbedürfnissen, geschweige denn von Größe und Ausbreitungsradius in die Erde.

Ich will nicht mehr!

Während ich das tat, dankte ich im Stillen oftmals der Tatsache, dass unser Garten so winzig ist und setzte diesen Aspekt im Geiste auf die Seite der Pro-Argumente. Für jemanden, der Gartenarbeit nicht unter die Top-Ten seiner Lieblingsbeschäftigungen zählt und dessen Rücken spätestens nach einer Dreiviertelstunde brüllt „Ich will nicht mehr!“, für den ist ein kleiner Garten ein Segen.

Im Laufe der Jahre bin ich mitnichten zur Kennerin der Materie geworden. Aber ich habe doch meine Gewächse (diejenigen, die es geschafft haben) kennengelernt und weiß, wie ich sie pflegen und was ich jährlich dazu pflanzen kann. Ich weiß, zu welcher Jahreszeit ich was machen muss und welche Arbeitsschritte unbedingt nötig sind, damit der Garten in der sonnigen Zeit ein buntes und nicht allzu chaotisches kleines Refugium ist.

Der Geruch nach Moos hat mich geerdet

Zu Beginn der Isolationszeit hat die Gartenarbeit, die ich sonst nur so ungerne verrichte, mich vor der Verzweiflung gerettet. Ich hatte so viele Gedanken und Ängste, die beim stumpfen Hacken, Zupfen und Schneiden in den geduldigen Boden gesickert sind. Das Zwitschern der Vögel, das Krabbeln der Insekten und der Geruch nach Moos und Gras haben mich im wahrsten Sinne des Wortes wieder geerdet.

Gerade in der jetzigen Zeit, in der man am besten überhaupt nicht rausgehen sollte, weiß ich unseren kleinen Garten sehr zu schätzen. Verstecken spielen kann man darin nicht und große Sommerfeste sind in Zeiten von Pandemie und Isolation sowieso verboten. Aber er ist mein kleines Stückchen „draußen“, was ich gefahrlos betreten kann. In dem ich im Liegestuhl liegen und meinem Hörbuch lauschen, mit der Familie grillen oder in meinem Rosenbogen bei einer Tasse Kaffee gemütlich mit meiner Mutter und meinen Freundinnen telefonieren kann.

Für die Katz‘

Gerade jetzt, in dem Moment, in dem ich diesen Text schreibe, stolziert mit stolz erhobenem Schwanz anmutig die Nachbarskatze über die Gartenmauer (wäre wegen des Stacheldrahtes in Guantanamo nicht möglich!). Sie darf auch jetzt noch ohne Ausgangsbeschränkungen herumstromern und ich frage mich, was sie wohl beobachtet in all den Gärten, in denen die Menschen jetzt sitzen oder arbeiten. Mit meinem Garten scheint sie jedenfalls zufrieden zu sein. Sie hält kurz inne, scheint eine Bewegung wahrzunehmen, nickt mir schließlich hoheitsvoll zu und geht ihrer Wege.

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