Frau ahmt männliche Dominanz nach

„So redet doch kein Mann!“ 3 Gründe, warum Frauen erfolgreich führen können, ohne männliche Dominanz nachzuahmen!

Bianca Koschel Allgemein Leave a Comment

Kürzlich habe ich einen Workshop für Führungskräfte durchgeführt, in dem es um die Frage ging, wie man wertschätzend Grenzen ziehen kann. Eine Dame stieß sich an meinen vorgeschlagenen Formulierungen. „So redet doch kein Mann!“ wandte sie ein. Auf meine Frage hin, inwiefern das ein Problem sei, antwortete sie: „Wer redet wie eine Frau, wirkt schwach und inkompetent. Wenn man sich in einem männlich dominierten Umfeld behaupten will, muss man wissen, wie männliche Dominanz funktioniert. Sonst wird man nicht ernst genommen!“

Krasse Ansage! Aber aus Erfahrung weiß ich, dass es sehr viele Frauen gibt, die so denken. Die davon überzeugt sind, sich Respekt und Anerkennung dadurch zu verschaffen, dass sie männliche Dominanz übernehmen.

Gesten der Dominanz werden geschlechterunabhängig oft und gerne angewendet, um den eigenen Machtstatus zu demonstrieren und andere einzuschüchtern. Und es trifft tatsächlich zu, dass es immer noch als männliches Rollenverhalten aufgefasst wird, auf die eigene Überlegenheit auf eine bestimmte Art auszudrücken. Und zweifellos gibt es auch viele Männer, die es auf diese Weise auf der Karriereleiter sehr weit nach oben geschafft haben.

Mir geht es in diesem Artikel nicht darum, Männer zu kritisieren oder ihnen pauschal ein bestimmtes Verhalten zu unterstellen. Vielmehr möchte ich zeigen, dass es nicht nötig ist, den vielfach männlich gelesenen Dominanz-Habitus zu übernehmen, um stark und selbstbewusst zu wirken und sich Respekt zu verschaffen. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass die „dominante Aphamann“-Strategie für viele Menschen erfolgreich funktioniert. Zahllose Beispiele beweisen das (übrigens ziemlich geschlechterunabhängig!).

Diesen Artikel habe ich für alle geschrieben, die nach Wegen suchen, fernab aller Rollenklischees in der ganz eigenen und authentischen Energie Selbstsicherheit und Stärke auszustrahlen. Ich nenne im Folgenden 3 Gründe, warum Frauen (und natürlich auch Männer) erfolgreiche Führungspersönlichkeiten sein können, ohne „männliche Dominanz“ nachzuahmen.

Gibt es überhaupt männliche Dominanz?

Sicher werde ich diese Frage nicht in ihrer biologischen, soziologischen und historischen Dimension zufriedenstellend beantworten können. Ich beziehe mich auf bestimmte Verhaltensweisen zur Demonstration von Macht, die traditionell eher Männern zugeschrieben werden. Während andere Verhaltensweisen in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch als „weiblich“ gelesen werden.

In meiner Wahrnehmung sind folgende Aspekte Ausdruck für männliche Dominanz im Sinne der oben genannten „männlich konnotierten“ Definition:

  • Sprechen mit sehr lauter Stimme
  • konfrontative, konfliktbereite Kommunikation (mitunter sogar mit beleidigender/ drohender/ abwertender Tendenz)
  • verbale und nonverbale Betonung der eigenen Überlegenheit
  • Abwertung von anderen Meinungen und Sichtweisen
  • „Das wird gemacht, weil ich es sage und damit basta!“-Mentalität
  • Bewusste Angriffe auf das Selbstwertgefühl anderer Menschen
  • Festgefahrene, unflexible Weltsicht („So isses und wer es anders sieht als ich, hat Unrecht und keine Ahnung!“)

Typisch männlich, typisch weiblich

Wer beim Durchlesen dieser Punkte jetzt denkt „Na, das können Frauen aber alles ebenso gut.“, hat natürlich völlig recht. Aber es geht hier nicht um Geschlechterzuordnung, sondern um Rollenvorstellungen, die in unserer Gesellschaft nach wie vor sehr existent sind. Und die natürlich auch auf der Ebene der persönlichen Erfahrung von vielen Menschen täglich so erlebt werden.

Dagegen gilt es vielerorts immer noch als „typisch weiblich“, schnell nachzugeben, sehr viel Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer zu nehmen, aus Angst, irgendwo anzuecken, sehr vorsichtig „um den heißen Brei herum zu reden“ und sich im Gespräch emotional und verletzlich zu zeigen. Ich bin übrigens sehr dafür, diese Rollenzuschreibungen kritisch zu hinterfragen, aber das ist nicht Thema dieses Artikels.

Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, ob es männliche Dominanz überhaupt gibt:

Es gibt Verhaltensweisen (die Männer und Frauen an den Tag legen), die darauf abzielen, die eigene Überlegenheit und Machtposition nach außen abzusichern und die immer noch eher als männliches Verhalten eingestuft werden.

Warum Frauen männliches Verhalten nachahmen

Viele Frauen, gerade wenn sie in Führungspositionen tätig sind, haben Stärke und Durchsetzungsfähigkeit vor allem als männliche Rollenmodelle erlebt. Sei es in in der eigenen Erziehung, in der Schule oder später im beruflichen Umfeld. Oft waren es eben Männer und deren Gesten der Dominanz, die als erfolgreich wahrgenommen wurden, wenn es darum ging, ernst genommen zu werden und sich Respekt zu verschaffen. Da häufig Strategien fehlen, wie das auch anders funktionieren kann, gehen viele Frauen davon aus, dass Nachahmung des ihnen Bekannten der einzige Weg ist.

Oft haben sie zudem die Erfahrung gemacht, dass in männerdominierten Bereichen „typisch weibliches Verhalten“ ins Lächerliche gezogen und als schwach oder minderwertig verspottet wird. Ohne hier irgendwelche Studien anzuführen, behaupte ich auch einmal ganz kühn, dass die weibliche Erziehung und Sozialisation (zumindest bis zur Generation der „Millennials“) auch sehr stark von Idealen wie Anpassungsfähigkeit, Zurückhaltung, Verantwortung für die Gefühle/ Bedürfnisse anderer etc. geprägt war.

Viele Frauen haben sich auf ihrem Weg mühsam von diesen „weiblichen Tugenden“ freigeschwommen und sich aus Ermangelung von Alternativen männliche Dominanz abgeschaut und angeeignet, um sich Respekt zu verschaffen und ihren Führungsanspruch durchzusetzen.

Und haben die Erfahrung gemacht, dass es wunderbar funktioniert!

3 Gründe, warum Frauen auch ohne männliche Dominanz führen und sich Respekt verschaffen können

Wer sich dabei wohlfühlt und glücklich ist, möge natürlich dabei bleiben. Aber nur weil keine anderen Strategien erlernt wurden, mit denen man Führungsqualitäten beweisen und sich den Respekt seiner Mitmenschen verdienen kann, heißt es nicht, dass es keine anderen gibt!

Im Folgenden nenne ich 3 Gründe, warum Frauen (und natürlich Männer) es nicht nötig haben, einschüchterndes Imponiergehabe an den Tag zu legen und wie sie stattdessen Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahlen und großartige Führungspersönlichkeiten sind.

1. Sie verwechseln Selbstwertgefühl nicht mit einem dicken Ego!

Das eigentliche Geheimnis einer wahren Führungspersönlichkeit, die von jedem respektiert wird und die einen Raum mit ihrer Aura füllt, liegt in einem starken und gesunden Selbstwertgefühl.

Wer das besitzt, wird irgendwelche Unterwerfungsstrategien oder Machtspielchen in der Regel nicht nötig haben, um seine Stellung zu behaupten.

Leider wird ein starkes Selbstwertgefühl oder ein gesundes Selbstbewusstsein oft mit einem dicken Ego verwechselt. Weil Personen mit dickem Ego oft so laut und dominant auftreten, dass man meinen könnte, es stecke echte Selbstsicherheit dahinter.

Wer aber andere klein machen muss, um sich groß zu fühlen, sie unterdrückt, um sich mächtig zu fühlen, oder sich über sie lustig macht, um seine eigene Überlegenheit zu demonstrieren, der hat kein starkes Selbstwertgefühl! All diese „Mundtotmacher-Strategien“ sind in Wahrheit nur erlernt worden, um ein schwaches und verletzliches Selbstwertgefühl zu verschleiern. „Mundtotmacher“ nenne ich Gesprächsverhalten, welches darauf abzielt, andere Menschen in die Defensive zu drängen. In meinem Online-Programm gebe ich konkrete Tipps, wie man souverän mit solchem Verhalten umgeht. Falls dich das interessiert, kannst du dir mein Programm hier anschauen.

Aber natürlich würden diese Menschen das niemals eingestehen. Die meisten wissen es wahrscheinlich nicht einmal und sind wirklich davon überzeugt, selbstbewusst zu sein. Das musst du so hinnehmen. Genauso, wie du es hinnehmen musst, dass sie versuchen werden, dein Selbstwertgefühl anzugreifen, wenn du das Spielchen nicht mitspielst und dich unbeeindruckt zeigst. Und zwar auf die ihnen bekannte Art und Weise, mit der sie ihr Leben lang erfolgreich Menschen unterworfen haben: Beleidigungen, Drohungen, der Versuch, dir die Kompetenz abzusprechen, dich lächerlich machen, sich gleichgesinnte Verbündete suchen, um dich mit ihnen gemeinsam zu diskreditieren.

Deswegen ist mein wichtigster Tipp an dich: Arbeite an deinem Selbstwertgefühl! Wenn du gegen den Strom schwimmen und es auf deine ganz eigene Weise schaffen möchtest, als respektables Vorbild wahrgenommen und respektiert zu werden (egal, in welchem Bereich, ob im beruflichen oder privaten Kontext), dann schaffst du das nur mit einem starken Selbstwertgefühl und im Einklang mit deinen eigenen Werten und Ressourcen!

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, lass uns gerne ganz in Ruhe schauen, wie ich dich begleiten kann. Es ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit, Frauen dabei zu helfen, ein starkes und gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. Du kannst dir hier gerne ein kostenloses und unverbindliches Kennlerngespräch mit mir buchen.

2. Sie wählen Achtung und Empathie im Umgang mit anderen

Als ich 2007 gerade frisch aus dem Referendariat kam und als junge Lehrerin an einem Institut zur Erlangung der Fachhochschulreife begann, war ich nur wenig älter als meine Schüler und Schülerinnen. Ich war unsicher, hatte Angst, man könne meine Kompetenz nicht anerkennen und mir aufgrund meines Alters auf der Nase herumtanzen. Was tat ich also? Ich trat sehr autoritär auf. Ich kopierte alle Strategien, die ich bisher als erfolgreich erlebt hatte, um mir Respekt und den Gehorsam meiner Schüler zu erarbeiten.

Und was soll ich dir sagen? Es hat wunderbar funktioniert! Ich wurde von Anfang an respektiert und hatte kaum je über Disziplinprobleme zu klagen.

Aber auf Dauer ist es unendlich anstrengend, fremdes, unauthentisches Verhalten an den Tag zu legen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Lehrer und Manager so häufig von Burnout-Symptomen betroffen sind. Ich konnte vielleicht allen anderen etwas vormachen. Aber mir selbst konnte ich nicht einreden, dass die auf diese Weise erlange Machtstellung etwas mit wahrer Souveränität zu tun hatte. Ich hatte meine eigene Unsicherheit und meine Versagensangst einfach hinter einem einschüchternden Ego versteckt!

Mit zunehmender Sicherheit und Vertrauen in mich und meine Kompetenz als Lehrerin ist es mir mit der Zeit gelungen, diesen Panzer aus Gesten der „männlichen Dominanz“ gänzlich abzulegen. Und du kannst mir glauben, vor einer Schulklasse ist es trotz allem immer wichtig, „Chefin im Ring“ zu sein und keinen anbiedernden Kuschelkurs zu fahren. Gute Lehrer müssen klare Führungsqualitäten besitzen!

Ich lernte im Laufe der Zeit, die Schüler mit sehr viel Achtung und Empathie zu behandeln. Ich hörte ihnen wirklich zu und verstand, was sie brauchten, damit ein gutes und konstruktives Miteinander entstehen konnte. Und ja, das war auch nicht selten eine glasklare Ansage. Niemals aber brauchte auch nur einer von ihnen, dass ich sie bloßstellte, mich über sie lustig machte oder sie in ihrem Selbstwertgefühl verletzte!

Seitdem ich weiß, wie wichtig es ist, das Kostbarste und Wertvollste eines Menschen, sein Selbstwertgefühl, sorgsam zu behandeln, hatte ich es nie wieder nötig, in der Schule meine Stimme zu erheben oder gar meine institutionell bedingte Vormachtsstellung zu bemühen, um von meinen Schülerinnen und Schülern anerkannt und respektiert zu werden.

Und ich bin zutiefst davon überzeugt (und habe das auch schon vielfach erfahren!), dass diese Art des Umgangs nicht nur in der Schule, sondern auch in Unternehmen und anderen Bereichen funktioniert. Auch und gerade wenn es klare Hierarchien gibt.

3. Sie wissen, wie sie Selbstbewusstsein ausstrahlen ohne einzuschüchtern

Besonders souverän wirken Menschen auf mich, wenn sie unverkrampft und lässig agieren, wenn sie auch in Krisensituationen gelassen den Überblick behalten und sich ihr Urteil unabhängig von Stimmungen oder Tendenzen der Mehrheit bilden. Falls du ein sehr emotionaler Typ bist und deine Emotionen dich schnell aus deiner Mitte bringen, schau dir gerne mal meinen Blogartikel an, in dem ich dir 4 Tipps gebe, wie du dich ganz schnell wieder beruhigen kannst.

Wenn du Stärke und Souveränität ausstrahlen möchtest, dann brauchst du dafür nicht die oben beschriebenen Alphatierchen-Allüren zu kopieren. Es genügt, wenn du an deinem starken Selbstwertgefühl arbeitest und auf einige Dinge achtest, für die du dich weder verbiegen noch verstellen musst:

  • Halte regelmäßig ruhigen Blickkontakt zu deinen Gesprächspartnern
  • Sprich mit klarer, deutlicher und nicht zu leiser Stimme
  • Halte dich aufrecht und nimm Raum ein
  • Kommuniziere klar und möglichst eindeutig
  • Bleibe emotional ausgeglichen
  • Sei präsent im Gespräch und konzentriere dich auf dein Gegenüber
  • Gehe nicht auf Provokationen ein, sondern bleibe auf der Sachebene

Und die höchste Souveränitätsstufe erklimmen Menschen, die zusätzlich zu den bisher genannten Aspekten auch noch freundlich und wertschätzend mit ihren Mitmenschen umgehen und wissen, dass es nicht „die Wahrheit“, sondern lediglich eine Fülle von Perspektiven gibt.

Warum auch Männer von männlicher Dominanz genervt sind

In dem Workshop, von dem ich eingangs sprach, saßen selbstverständlich auch Männer. Und als die besagte Dame gegen meine Formulierungen einwandte, sie seien zu „weiblich soft“ und könnten unmöglich in einem männlich geprägten Umfeld eingesetzt werden, hagelte es interessanterweise vor allem Kritik aus der männlichen Ecke. „Ich bin total genervt von diesem männlichen Dominanz-Gehabe“, wetterte ein Teilnehmer. „Ich kann mich damit überhaupt nicht identifizieren. Ja, es gibt Männer, die so sind! Und ja, es gibt sie leider besonders oft in Führungspositionen. Aber ich hab‘ überhaupt keinen Bock in diese Ecke geschoben zu werden!“

Einschüchterndes Dominanzverhalten existiert selbstverständlich geschlechterunabhängig!

Es sind meistens die wirklich mutigen und selbstbewussten Männer und Frauen, die sich trauen, sich auch mal verletzlich und schwach zu zeigen!

Zu diesem Thema habe ich ein Expertinnen-Interview mit Catherine Page geführt. Sie ist Erfolgscoach und unterstützt Frauen dabei, sich in männlich geprägten Berufsfeldern selbstbewusst zu behaupten.

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