Wut auf den Chef? Raus aus der Frustfalle

Bianca Koschel Allgemein Leave a Comment

Wut auf deinen Chef? Frust durch das Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten? Wie ein Perspektivwechsel uns raus aus der Frustfalle und rein in die Eigenverantwortung hilft.

Eine Kundin berichtete mir neulich von ihrem total zerrütteten Verhältnis zu ihrem Chef. „Da brauchst du mir gar nicht mit wertschätzender Kommunikation zu kommen, Bianca! Der Typ ist einfach nur ein Ar******* und er kann mich nicht leiden! Da geht gar nichts mehr!“ Eine bittere Bilanz zu einer Beziehung, die jeden Tag ihren Arbeitsalltag bestimmt und ihre Lebensqualität in hohem Maße beeinträchtigt.

In einem solchen Fall dränge ich nicht zu einer Klärung. Wenn die Fronten völlig verhärtet sind, ist das nicht zielführend, denn Wut und Frust unterbinden jegliche Bereitschaft, einen Schritt auf die verhasste Person zuzugehen.

Seine Herablassung tropft aus jeder Pore

Ich bat meine Kundin, mir das Verhalten ihres Chefs genauer zu beschreiben. Sie erzählte, dass er sie jedes Mal, wenn sie einen Termin haben, stundenlang warten lässt. Sitzt sie dann endlich in seinem Büro, schaue er ständig demonstrativ auf die Uhr, verdrehe unmerklich die Augen und ließe sie mit ihren Ideen regelmäßig mit ironischen Bemerkungen abblitzen. Positive Worte für ihre Arbeit höre sie indes nie von ihm.

„Seine Herablassung tropft ihm wirklich aus jeder Pore!“ verriet sie mir. Als ich sie fragte, wie sie mit diesem Verhalten umgehe, antwortete sie: „Ich habe dicht gemacht! Früher habe ich noch versucht, es ihm recht zu machen oder das Gespräch gesucht. Aber das sehe ich nicht mehr ein. Ich mache das Nötigste und ansonsten kann er mich mal!“

Ein anderer Blickwinkel kann Wunder bewirken

Diese Verweigerungshaltung ist verständlich und eine nachvollziehbare Strategie, sich vor einem als so kränkend empfundenen Verhalten zu schützen. Aber auch wenn meine Kundin vorgab, mit „dem Typen“ abgeschlossen zu haben, belastete sie die Wut und der Frust über diese täglich erfahrene Geringschätzung sehr.

In einem solchen Fall schlage ich immer einen Perspektivwechsel vor. Ein ganz anderer Blickwinkel auf eine Situation kann Wunder wirken, wie ich selbst, aber auch zahlreiche meiner Kundinnen bereits am eigenen Leibe erfahren durften.

Wenn wir uns durch das Verhalten eines Menschen verärgert und verletzt fühlen, gehen wir davon aus, das dieses Verhalten gegen uns gerichtet ist. Der Mensch hält nichts von uns. Er schätzt unsere Arbeit nicht wert. Er benimmt sich uns gegenüber unfair und verletzend.

Beim Perspektivwechsel sind wir dazu eingeladen, uns nur für einen Moment lang die Vorstellung zu erlauben, dass ganz andere Gründe für ein solches Verhalten maßgeblich sind. Gründe, die überhaupt nichts mit uns zu tun haben, sondern ausschließlich mit der anderen Person selbst.

Was wäre, wenn diese Person unter extremem Druck stünde? Vielleicht sieht sie in uns eine Bedrohung und hat keine Strategien erlernt, souverän mit dieser Situation umzugehen. Möglicherweise lasten auch schwere private Probleme auf ihr und sie nimmt gar nicht mehr wahr, was um sie herum geschieht. Vielleicht ist sie einfach mit ihrer Führungsrolle heillos überfordert und fühlt sich von allen Seiten unverstanden und angegriffen.

Was uns im Außen triggert, liegt in Wahrheit in uns selbst

Anstatt wütend und verletzt ob des unmöglichen Verhaltens zu sein, könnten wir uns auch dafür entscheiden, Mitleid zu haben. Dafür, dass da offensichtlich ein Mensch ist, der noch nicht gelernt hat, wertschätzende Beziehungen aufzubauen. Wir könnten uns auch für Dankbarkeit entscheiden, dafür dass wir selbst erkannt haben, wie achtsam wir mit uns selbst und unseren Mitmenschen umgehen dürfen.

Anstatt in der „Der hat was gegen mich!“-Opferrolle zu verharren, könnten wir uns entscheiden, dass das Verhalten eines Menschen nichts mit uns zu tun hat, sondern lediglich mit ihm selbst.

Wir können davon ausgehen, dass das, was uns wirklich triggert, nicht in der Verantwortung eines anderen liegt, sondern in unserer eigenen. Was uns im Außen frustriert, ärgert oder sonstige negative Gefühle in uns hervorruft, sind oft unsere alten Themen und Verletzungen, die wir uns gerne näher ansehen dürfen.

Die Erkenntnis, dass wir Handlungsspielraum haben

Natürlich geht es mir nicht darum, fieses Mobbing-Verhalten zu verharmlosen und dir einzureden, in Wahrheit seist du daran selbst Schuld! Das liegt mir wirklich fern. Mir geht es darum, zu schauen, wo wir selbstwirksam dazu beitragen können, unsere wertvolle Energie nicht zu verschwenden.

Denn mal ehrlich, Frust über einen blöden Chef oder eine überhebliche Kollegin oder sonst wen zu schieben, kostet UNSERE Kraft und UNSERE Ressourcen. Wir möchten doch viel lieber mit positiven oder wenigstens neutralen Gefühlen jeden Morgen zur Arbeit gehen. Alles andere frisst unsere Motivation und letztlich auch unsere Lebensfreude.

Zu erkennen, dass wir selbst in der verfahrensten Situation noch Handlungsspielraum haben, dass wir Entscheidungen treffen können, die uns vor Verbitterung und Verhärtung schützen, ist ein riesiger Schritt in Richtung Selbstverantwortung.

Wenn du auch unter einer extrem belastenden Beziehung am Arbeitsplatz oder an einer anderen Stelle deines Lebens hast, schreib mir gerne eine E-Mail (bianca@koschel-beratung.de). Ich unterstütze dich gerne dabei, deine Trigger zu entlarven und mit einer veränderten Perspektive und mehr Selbstwertgefühl deine Lebensqualität zu verbessern.

Natürlich kannst du dir auch gerne wieder mein passendes Video zum Thema „Perspektivwechsel“ anschauen, was ich dir hier verlinkt habe:

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