Tu, was du liebst – liebe, was du tust!

Bianca Koschel Allgemein Leave a Comment

Dieser etwas binsenweise anmutende Spruch findet sich auf Postkarten, T-Shirts oder gerne auch im Status von WhatsApp-Profilen. Klingt ja auch gut – aber steckt auch Sinn dahinter? Müssen wir nicht alle auch zahlreiche Dinge tun, die uns überhaupt keine Freude machen? Und kann man wirklich lernen, diese zu lieben?

Eigentlich soll dieser Spruch natürlich dazu ermuntern, im Leben den Weg zu wählen, der uns wirklich entspricht. Nicht unreflektiert Dinge zu tun, nur weil „man“ sie eben tut, sondern weil wir uns bewusst dafür entschieden haben.

Wie soll ich es lieben, die Toilette zu putzen?

Aber selbst wenn wir im Grunde mit den Weichen unseres Lebens zufrieden sind und weder einen Jobwechsel noch eine neue Beziehung anstreben, bleiben immer noch genügend Dinge übrig, die wir nicht gerne tun. Die wir aber trotzdem regelmäßig tun müssen. Toiletten putzen, Unkraut jäten, Koffer packen, die Steuererklärung machen, Tante Inge besuchen und so weiter. Natürlich lassen sich manche dieser Tätigkeiten auch als Dienstleistungen einkaufen, Gartenarbeit ist für viele reine Meditation und manch einer trägt nur Kleidung, die nicht gebügelt werden muss. Dennoch bin ich sicher, dass es in unser aller Leben Verpflichtungen gibt, die wir nur mit äußerstem Widerwillen tun und am liebsten immer ganz weit vor uns herschieben.

Die innere Haltung macht den großen Unterschied!

Hilft uns jetzt der oben genannte Spruch dabei, auch unangenehme Tätigkeiten lieben zu lernen? Ich sage – jein! Ich bin fast sicher, dass meine Tochter sich niemals voller Liebe auf ihre Mathematikhausaufgaben stürzen wird! Ebenso wenig wie ich jemals mit vor Vorfreude klopfendem Herzen eine vor Fehlern strotzende Deutschklausur korrigieren werde. Trotzdem ist der Spruch keine reine Phrase fürs Poesiealbum. Ich bin nämlich ganz fest davon überzeugt, dass die innere Haltung, mir der ich an eine Tätigkeit herangehe, sich in einem bestimmten Rahmen verändern lässt.

Ich kann mir natürlich immer wieder sagen, wie ätzend und langweilig so eine Klausurkorrektur doch ist. Dass ich stattdessen viel lieber mit meinen Freundinnen Kaffee trinken oder auf Instagram inspirierende Sommermode ansehen würde. Dass meine Schüler sich sowieso nicht durchlesen, was ich da alles mühsam an den Rand schreibe, sondern nur einen schnellen Blick auf die Endnote werfen. Das ist alles richtig! Aber es ändert überhaupt nichts daran, dass ich diese Arbeit machen muss.

Es gibt weitaus Schlimmeres, als das, was ich jetzt tun muss

Also kann ich mir ganz genauso gut sagen, dass es weitaus Schlimmeres gibt, als das, was ich machen muss. Ich kann mir einen festen Zeitrahmen stecken, in dem ich fleißig sein und ohne Ablenkung meiner Verpflichtung nachkommen werde. Ich kann es mir dabei so schön wie möglich machen. Mir eine Kanne Tee dazu kochen, vielleicht meine Lieblingsmusik oder ein schönes Hörbuch dazu hören (letzteres eignet sich natürlich weniger für intellektuell fordernde Arbeiten, aber wunderbar zum Aufräumen oder Putzen). Ich kann mir zwischendurch immer wieder gut zureden und mich dafür loben, dass ich mich motiviert und aufgerafft habe. Ich kann mir nach abgeschlossener Arbeitsphase eine kleine Belohnung oder zumindest eine erholsame Pause gönnen.

Sicher werden diese kleinen Tricks keine Wunder bewirken, vor allem nicht sofort. Ich habe auch keinen straffen Körper, wenn ich einmal ins Fitnessstudio gehe. Wenn ich aber regelmäßig und ausdauernd Sport treibe, dann werde ich auch sehr bald erste kleine Erfolge sehe. Und genau so verhält es sich mit unserem „Mindsetting“, also unserer inneren Einstellung zu unserem Leben. Wenn wir es regelmäßig auf „positiv“ trainieren, verbessern wir damit entscheidend unsere Motivation und unsere grundsätzliche Lebenseinstellung!

Manchmal bleibt eine fiese Deutschklausur einfach eine fiese Deutschklausur!

Ich gebe zu, dass es nicht immer funktioniert. Es gibt Tage, an denen bleibt eine fiese fehlerhafte Deutschklausur einfach eine fiese fehlerhafte Deutschklausur. Dann kann kein positives Einstellen meines Mindsettings etwas daran ändern, dass ich mich nur mit äußerstem Unwillen daran setzen kann. Das muss man dann so annehmen und sich entweder missmutig ans Werk machen oder die Arbeit verschieben, wenn das möglich ist. Vielleicht klappt es morgen wieder besser.

Nimmt man den Spruch im Titel also nicht wörtlich, sondern interpretiert ihn als: „versuche deine innere Einstellung gegenüber den Dingen, die du tun musst, so positiv wie möglich auszurichten“, klingt er nicht mehr so markant und passt auch nicht aufs T-Shirt. Dafür kann er uns aber eine wertvolle Erinnerung dafür sein, dass wir selbst aktiv daran mitarbeiten müssen, wenn wir Lustlosigkeit und Motivationsprobleme überwinden möchten.

Schreibe einen Kommentar